Zwingerhusten und Katzenschnupfen

– wie kann die PCR in der Diagnostik helfen?

Für den Nachweis von Infektionskrankheiten steht dem Tierarzt ein breites Spektrum an Methoden zur Verfügung. Grundsätzlich muss zwischen dem Nachweis des Erregers selbst (= direkter Nachweis einer Infektion) und dem Nachweis von Antikörpern (= indirekter Nachweis einer Infektion) unterschieden werden. Unterschiedliche Verfahren können dabei zu abweichenden Ergebnissen führen. Oftmals ist zudem die Kombination mehrerer Tests sinnvoll, unter anderem, da es keine Methode mit 100 % Sensitivität und Spezifität gibt.

Antikörpernachweis

Serum-Antikörper können unterschiedliche Herkunft haben und meist ist ein Antikörpernachweis nicht geeignet, um zwischen einer Reaktion auf eine Impfung, Infektion oder maternalen Antikörpern zu unterscheiden. Hunde- und Katzenwelpen können bis zur 16. Lebenswoche noch maternale Antikörper
tragen. Je nach Alter des Tieres sind diese bei positiven Befunden zu beachten. Antikörper werden zudem nicht unmittelbar nach Erregerkontakt gebildet, bei einem perakuten oder akuten Verlauf sind daher häufig noch keine Antikörper vorhanden. Mithilfe der Titer-Bestimmung in Serumpaaren im Abstand von 2-4 Wochen kann über einen 4-fachen Anstieg eine akute Infektion jedoch nachgewiesen werden, sofern nicht kürzlich gegen den entsprechenden Erreger geimpft wurde.

Erregernachweis

Die Auswahl des richtigen Probenmaterials für den direkten Nachweis ist für eine gute Diagnostik besonders relevant und abhängig davon, wo der gesuchte Erreger zum Entnahmezeitpunkt zu erwarten ist (z.B. im Blut oder auf den Schleimhäuten). Voraussetzung dafür sind Kenntnisse zur Erregerausbreitung im Körper und zu dessen Ausscheidung. Die Probenentnahme sollte möglichst vor Therapiebeginn erfolgen, um ggf. falsch negative Ergebnisse zu vermeiden. Beim molekularbiologischen Erregernachweis mittels PCR (Polymerase Chain Reaction) muss beim Einsatz von v.a. Lebendimpfstoffen beachtet werden, dass die im Impfstoff enthaltenen Erreger mehrere Wochen im Probenmaterial nachweisbar sein können und so zu falsch positiven Ergebnissen führen. Grundsätzlich beweist ein positives Ergebnis das Vorliegen des entsprechenden Erregers im Probenmaterial und damit in der Regel das Vorliegen einer Infektion. Ein negatives Ergebnis hingegen kann eine Infektion nicht vollständig ausschließen.

Faktorenkrankheit Zwingerhusten

Die unter dem Namen „Zwingerhusten“ (canine infektiöse Tracheobronchitis) bekannte Atemwegserkrankung des Hundes ist gekennzeichnet durch das akute Auftreten eines extrem rauen, teilweise krampfartigen Hustens.

Ätiologisch stehen virale Komponenten wie das canine Adenovirus Typ 2 (CAV-2) und das canine Parainfluenzavirus (CPiV) im Vordergrund. Eher selten sind Influenzaviren sowie das canine Staupevirus (CDV), das canine Herpesvirus (CHV) und das canine respiratorische Coronavirus (CRCoV) beteiligt. Zu den primären bakteriellen Erregern zählt Bordetella bronchiseptica. Nach Vorschädigung des Epithels im Respirationstrakt durch die genannten Erreger können aber auch andere Bakterien und Mykoplasmen als Sekundärerreger schwerwiegende Atemwegserkrankungen hervorrufen. In diesem Zusammenhang sind v. a. E. coli, Pasteurellen, Streptokokken, Pseudomonaden und Klebsiellen zu nennen.

Eine erste Diagnose lässt sich aufgrund des Vorberichtes (plötzliches Einsetzen der Symptome, mögliche Exposition durch Kontakt zu anderen Hunden, fehlende Immunisierung etc.) sowie der klinischen Symptomatik stellen.

Virale Komponenten werden, v. a. im Anfangsstadium der Erkrankung, am besten mittels PCR in trockenen Nasen- und/oder Rachenabstrichen oder in bronchoalveolärer Lavage nachgewiesen. Um von der Schnelligkeit und hohen Sensitivität der Methode zu profitieren, ist der PCR-Nachweis auch von bakteriellen Komponenten wie Bordetella bronchiseptica sinnvoll. Zu beachten ist jedoch, dass bei der PCR kein Antibiogramm erstellt werden kann. Mykoplasmen benötigen für eine kulturelle Anzucht anspruchsvolle Selektivnährböden und wachsen nur langsam, so dass die PCR auch hier die Methode der Wahl ist.

Da in erster Linie bakterielle Infektionen für schwere Krankheitsverläufe verantwortlich sind, ist eine zusätzliche kulturelle Untersuchung von tiefen Rachenabstrichen oder trachealer bzw. bronchoalveolärer Lavage mit Erstellung eines Antibiogrammes immer dann dringend erforderlich, wenn die Symptomatik von einem unproduktiven Husten ohne Begleitsymptomatik abweicht.

Antikörpernachweise sind aufgrund der teils weiten Verbreitung der Erreger in der Hundepopulation wenig aussagekräftig. Zudem ist keine Unterscheidung zwischen Impf- und Infektionstitern möglich (relevant bei z.B. CAV-2, CPiV und CDV als Core-Impfungen). Lediglich die Bestimmung von Antikörpertitern in Serumpaaren kann einen aufgrund des zeitlichen Ablaufs allerdings meist nur retrospektiven Hinweis auf das Vorliegen einer Infektion geben. Aufgrund der Fähigkeit, eine latente Form der Infektion zu bilden, sinkt bei CHV der Antikörpertiter nach einer Infektion sehr schnell wieder ab und ist daher für einen Infektionsnachweis nur bedingt zu empfehlen.

Katzenschnupfenkomplex

Katzenschnupfen ist eine Sammelbezeichnung für ansteckende Erkrankungen der Atemwege und der Schleimhäute der Katze. Es handelt sich um einen Symptomkomplex, der durch unterschiedliche Erreger hervorgerufen wird und Nase, Maulhöhle und Augen betrifft. Die Symptome sind sehr vielschichtig und deshalb auch meist nicht dem ein oder anderen Erreger klar zuzuordnen. Sie reichen von mildem, nur wässrigem Nasenausfluss bis zu tödlich verlaufenden Allgemeinerkrankungen. Es kommt zu Schnupfen und Konjunktivitis, Läsionen in der Maulhöhle, Fieber und Pneumonie.

Ätiologisch am Katzenschnupfenkomplex beteiligt sind in der überwiegenden Anzahl der Fälle das feline Calicivirus (FCV) und das feline Herpesvirus 1 (FHV-1). Primär pathogene bakterielle Keime stellen Chlamydia felis, Mykoplasmen und Bordetella bronchiseptica dar, zusätzlich sind meist unspezifische bakterielle Erreger als Sekundärinfektion beteiligt.

Analog zum Zwingerhusten erfolgt auch beim Katzenschnupfenkomplex der Nachweis von Virusinfektionen und Mykoplasmen in der Routinediagnostik mittels PCR aus Abstrichen ohne Transportmedium (Konjunktiva, Maulhöhle und/oder Rachen). Da Chlamydien streng intrazellulär parasitieren, sind sie mit den normalen bakteriologischen Methoden nicht nachzuweisen. Zudem hat die PCR als schnelles und sensitives Verfahren den Chlamydien Antigen-Nachweis mittels Enzymimmunoassay (EIA) in der Routine ebenfalls abgelöst. Im Vergleich zum Hund wird bei der Katze eine Bordetella bronchiseptica Infektion seltener beobachtet. Auch hier ist ein erster schneller und sensitiver Nachweis mittels PCR möglich.

Da häufig bakterielle Begleitinfektionen auftreten, sollte besonders bei ophthalmologischen Befunden, aber auch bei chronischen Infektionen der Atemwege zusätzlich ein Abstrich mit Medium für eine bakteriologische Untersuchung inkl. Antibiogramm eingesandt werden, um eine geeignete lokale und/oder systemische Therapie einleiten zu können.

Antikörpernachweise sind auch in der Katzenschnupfendiagnostik weniger sinnvoll, da viele Katzen geimpft sind oder schon als Welpen Erregerkontakt hatten.

05 / 2018

LABOKLIN Aktuell

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