Mediastinale Masse bei einem Hund

Abbildung 1: Große, (zur Muskulatur) isodichte Masse mit geringer Kontrastanreicherung auf der linken Thoraxseite (CT)
Abbildung 2: Zytologisches Bild (FNA) der mediastinalen Masse (Wright-Giemsa Färbung, 500x Vergrößerung).
Abbildung 2: Zytologisches Bild (FNA) der mediastinalen Masse (Wright-Giemsa Färbung, 500x Vergrößerung).
Abbildung 3: Ergebnis der PARR des Feinnadelaspirates: polyklonales Ergebnis für B-Zellen (oben) und T-Zellen (unten).

Maciej Guzera DVM PhD DipECVCP MRCVS

SIGNALMENT UND ANAMNESE

Ein 11 Jahre alter, männlicher und kastrierter Labrador wurde aufgrund von vermehrtem Hecheln, Polyurie/Polydipsie (PU/PD) und Leistungsintoleranz vorgestellt.

In der durchgeführten Ultraschalluntersuchung fand sich eine große, hypoechogene Masse im kranialen Mediastinum.

KLINISCHE UNTERSUCHUNG

In der klinischen Untersuchung zeigte der Hund deutliches Hecheln sowie Dyspnoe mit Atemgeräusch und angestrengter Atmung. Das Herz war nur an der rechten, caudalen Thoraxseite auskultierbar. Das Abdomen erschien geringgradig aufgetrieben.

WEITERFÜHRENDE UNTERSUCHUNGEN

Hämatologie und klinische Chemie

Im Rahmen der routinemäßigen Aufarbeitung des Falles wurden Blutuntersuchungen durchgeführt.

Im Blutstatus zeigte sich eine geringgradige Leukozytose  (17,83x10^9/L, Referenzbereich (RB): 6-12x10^9/L) basierend auf einer mittelgradigen Lymphozytose (11,1x10^9/L, RB: 1-3,6x10^9/L) und geringgradigen Basophilie (0,89x10^9/L, RB: <0,04x10^9/L).

Die Untersuchung des Blutausstrichs ergab keine morphologischen Auffälligkeiten.

In der klinischen Chemie zeigte sich eine gering- bis mittelgradige Erhöhung des Gesamtkalziums (3,24 mmol/L, RB: 2,3-3 mmol/L). Die übrigen Werte waren unauffällig.

Bildgebung

Zur besseren Beurteilung der thorakalen Masse wurde eine Computertomographie (CT) durchgeführt (Abbildung 1). Hier zeigte sich eine große mediastinale Masse, die die gesamte Höhe des Thorax bis zum zehnten Rippenpaar ausfüllte. Lunge und Herz waren kaudal verdrängt.

Zytologie

Eine Feinnadelaspiration (FNA) der Masse wurde durchgeführt (Abbildung 2).

Molekulardiagnostik

Die Untersuchung der Lymphozytenklonalität (PCR for antigen receptor rearrangements, PARR) des Feinnadelaspirates ergab ein polyklonales Ergebnis, sowohl für B- als auch T-Zellen (Abbildung 3).

Sonstiges

Weitere Untersuchungen zur Abklärung der Hyperkalzämie zeigten eine erhöhte Konzentration an Parathormon-related peptide (PTHrP) (1,9 pmol/L, RB: <1,0 pmol/L), sowie eine verminderte Parathormonkonzentration (PTH) (0,4 pmol/L, RB: 0,5-5,8 pmol/L).

Wie können die vorliegenden Ergebnisse interpretiert werden?
Wie lautet die wahrscheinlichste Diagnose?

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Interpretation der Ergebnisse

Abbildung 4. In der Histopathologie zeigten sich Lymphozytenaggregate zwischen Verbänden neoplastischer Zellen (H&E Färbung, 100-fache Vergrößerung)

Die wahrscheinlichste Ursache der Blutbildveränderungen sowie der Hyperkalzämie war ein neoplastisches Geschehen.

Bei der zytologischen Untersuchung der mediastinalen Masse fanden sich zahlreiche kleine und einige mittelgroße Lymphozyten sowie wenige Mastzellen. Darüber hinaus fanden sich wenige mittelgroße Epithelzellen, die teilweise einzeln und teilweise in kleinen Zellverbänden gelegen waren. Die Zellen waren oval oder polygonal und hatten ein hellblaues Zytoplasma in unterschiedlicher Menge, mit mittelgroßen rund bis ovalen und zentral gelegenen Zellkernen. Das Kernchromatin war feinretikulär und es zeigten sich meist einzelne, mittelgroße, runde Nukleoli. Vor dem klaren Hintergrund fanden sich einige Erythrozyten.

Die zytologischen Befunde sprachen für das Vorliegen eines neoplastischen Geschehens und waren hochverdächtig für ein Thymom (lymphozytenreiches Thymom). Auch ein Thymuslymphom konnte jedoch nicht sicher ausgeschlossen werden.

Das Ergebnis der PARR Untersuchung war polyklonal für beide Lymphozytenpopulationen, weshalb ein Lymphom ausgeschlossen und keine Biopsie durchgeführt wurde.

Die PTHrP und PTH Ergebnisse bestätigten die paraneoplastische Ätiologie der Hyperkalzämie.

DIAGNOSE: THYMOM

THERAPIE UND WEITERER VERLAUF:

Die mediastinale Masse wurde über eine mediane Sternektomie entfernt. Die histopathologische Untersuchung der Masse bestätigte die Diagnose und die weitere Klassifizierung ergab das Vorliegen eines Stadium III Typ B2 Thymoms (Abbildung 4).

Zwei Monate später zeigte der Hund ein gutes Allgemeinbefinden ohne respiratorische Auffälligkeiten und einer guten Leistungstoleranz.

ZUSAMMENFASSUNG

Thymome entwickeln sich durch eine neoplastische Transformation von Thymusepithelzellen und die neoplastischen Zellen sind häufig von einer nicht-neoplastischen Lymphozytenproliferation begleitet.

Thymome stellen, nach Lymphomen, die zweithäufigste Tumorart des kranialen Mediastinums dar, jedoch ist die generelle Prävalenz niedrig. Üblicherweise treten sie bei älteren Hunden auf mit der höchsten Inzidenz bei 9 Jahren.

Die zytologische Diagnose eines Thymoms kann zum Einen durch eine geringe Anzahl an Epithelzellen, und zum Anderen durch eine hohe Menge Lymphozyten, die sowohl bei Thymomen als auch bei Thymuslymphomen vorliegt, erschwert werden. Daher sind weitere diagnostische Tests (z.B. PARR, Durchflusszytometrie) sowie eine histopathologische Untersuchung für die definitive Diagnose notwendig.

Das Auftreten eines paraneoplastischen Syndroms (z.B. Hyperkalzämie) ist ein häufiger Befund bei Patienten mit Thymomen – mit einer beschriebenen Prävalenz von bis zu 67%.