Leptospiren

Allgemeine Informationen

Leptospiren sind gramnegative Bakterien, die zur Gruppe der Spirochäten gehören. Es handelt sich dabei um sehr dünne, flexible, schraubenförmige Bakterien mit hakenförmigem Ende. Leptospiren sind durch Drehungen aktiv beweglich. Innerhalb der Gattung Leptospira interrogans sensu lato werden verschiedene pathogene wie saprophytische Arten unterschieden, die nicht morphologisch, sondern nur serologisch oder genetisch zu differenzieren sind. Seit 1989 wurden über 250 Serovare beschrieben, die zurzeit in 24 Serogruppen eingeordnet werden.

Die Erregerübertragung erfolgt direkt über Harn oder Blut von infizierten Tieren oder in­direkt über unbelebte Vektoren wie z. B. kontaminiertes Wasser, Futter und Schlafplätze oder lebende Vektoren wie Nagetiere. Leptospiren überleben am besten in feuchter Umgebung bei Temperaturen von 0 - 25° C.

Klinisch äußert sich eine Leptospirose beim Hund zunächst durch Anorexie, Erbrechen, Dehydratation und Fieber. Später sind die Tiere apathisch und zeigen häufig eine erschwerte Atmung. Die Schleimhäute sind ikterisch, es tritt Anämie mit Hämoglobinurie und als Komplikation in manchen Fällen eine disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC) auf. Toxische Zerfallsprodukte führen zu einer hämorrhagischen Diathese und Nekrosen. Als Folge kann es zu einer akuten Nephritis mit Azotämie kommen. In einigen Fällen tritt zudem eine oft hochakut verlaufende Hepatitis auf. Leptospiren sind fetotrop.

Hund

In den letzten Jahren kommt es nach eigenen Untersuchungen (s. ACVIM-Kongress 2013, Seattle, USA) zu einer Verschiebung der Serovartypen. Untersuchte Serovare beim Hund sind L. Bratislava, L. Australis, L. Autumnalis, L. Icterohaemorrhagiae, L. Pomona, L. Canicola, L. Saxkoebing, L. Grippotyphosa und L. Sejroe.

Katze

Katzen scheinen eine natürliche Resistenz aufzuweisen. Doch häufen sich auch hier die Fälle mit klinischer Beteiligung. Die vorherrschenden Serovare sind L. Grippotyphosa und L. Bratislava, gefolgt von L. Icterohaemorrhagiae, L. Sejroe, L. Autumnalis, L. Australis und L. Javanica.

Reptilien

Bei Reptilien können relativ häufig Leptospiren-Antikörper nachgewiesen werden.

Pferd

Die über den Urin von Schadnagern verbreiteten Leptospireninfektionen des Pferdes verlaufen meist klinisch inapparent. Die Seroprävalenz unter den gesunden Pferden ist daher hoch (bis zu ca. 75 %). Der Erreger wird über Futter oder Wasser aufgenommen und führt bei Pferden zu eher unspezifischen Symptomen wie Fieber (oft intermittierend), Ikterus, Inappetenz und Leistungsminderung. Es wurden auch Aborte beschrieben. Eine Erregerübertragung von Pferd zu Pferd kommt praktisch nicht vor.

Equine rezidivierende Uveitis (ERU) – Die Beteiligung einer intraokulär persistierenden Leptospireninfektion an der Ätiologie der ERU gilt als erwiesen. Sich daraus ergebende Autoimmunreaktionen führen zu fortschreitender Schädigung innerer Strukturen des Auges bis hin zur Erblindung.

Antikörpernachweis (= sensitivster Nachweis) oder aber Erregernachweis mittels PCR ist aus Kammerwasser oder Glaskörpermaterial möglich.

Wiederkäuer

Die Leptospirose der Wiederkäuer kann zu wirtschaftlichen Verlusten führen und ist beim Schaf eine meldepflichtige Tierkrankheit. Es infizieren sich überwiegend Rinder in extensiver Weidehaltung. Beim Rind dominieren Fieber, Anorexie, ikterische Schleimhäute, Anämie mit Hämoglobinurie und Leistungsabfall. Es können auch Durchfall und Mastitiden auftreten.

Vorherrschende Serovare in unseren eigenen Untersuchungen sind hierbei L. Icterohaemorrhagiae, Saxkoebing und Bratislava. Das neu aufgetretene Serovar L. Hardjo wurde in keiner der von uns untersuchten Proben nachgewiesen.

Schwein

Gravide Schweine sind besonders anfällig für Leptospiren. Hauptsymptome sind die Geburt lebensschwacher Ferkel oder Aborte. Abortierte Würfe weisen meist unterschiedliche Größen und Zersetzungsgrade der Feten auf, da prothrahierte Verlaufsformen vorherrschen. 

Für diese Tierspezies testen wir im Antikörpernachweis für das Schwein spezifische Serovare: L. Canicola, L. Grippotyphosa, L. Saxköbing, L. Bratislava, L. Sejroe, L. Pomona, L. Copenhageni und L. Tarrasovi.

Beim Schwein besteht Meldepflicht.