Kalziumphosphat-Kristallurie

Es gibt viele verschiedene Arten von Kalziumphosphat - Kristallen. Sie scheinen unterschiedlich beschrieben zu werden als amorphe Phosphate und Kalziumphosphate. Mit Ausnahme von Bruschitneigen Kalziumphosphat-Kristalle dazu, sich in alkalischem Urin zu bilden. Unter dem Lichtmikroskop ähneln amorphe Phosphate den amorphen Uraten  (Abb. 18-21). Jedoch bilden sich amorphe Phosphate typischerweise in alkalischem Urin und lösen sich in Essigsäure. Dagegen haben Urate oft gelbes körniges Aussehen und lösen sich nicht in Essigsäure, aber in Laugen bei 60 °C.

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen von amorphen Phosphaten, die in menschlichem Urin gefunden wurden, enthüllten, dass sie normalerweise kugelig erscheinen, aber auch Ring- oder Gußform annehmen können. Nur bei Hund en haben wir den kugelförmigen Habitus von Kalziumphosphat beobachtet. Kalziumphosphat kann auch lange, dünne farblose Prismen bilden, manchmal mit spitzem Ende. Diese Kristalle können sich zu Rosetten zusammenlagern oder als Nadeln auftreten. Kalziumphosphat kann auch als längliche lattenförmige Bruschitkristalle in saurem Urin ausfallen  (Abb. 22-23). Es wurde erwogen, dass, wenn Kalziumphosphat aus einer wässrigen hoch übersättigten Lösung einem pH > 7 ausfällt, anfangs amorphen Kristalle auftreten. Der amorphe Niederschlag kann sich durch Auflösung, Umsetzung und Kristallwachstum langsam in einen stabilen kristallinen Niederschlag umwandeln. Die Geschwindigkeit dieser Umwandlung ist pH-abhängig, weil die Stabilität amorpher Phosphate bei hohem pH verstärkt wird.

Interpretation
Mit Vorsicht muß die Interpretation von amorphen Kristallen geschehen, die unter dem Lichtmikroskop entdeckt wurden, da sie sich aus einer Vielzahl von Kristallen bilden, einschließlich Kalziumphosphat, Ammoniumurat und Xanthin. Nach unseren Erfahrungen wurden große Mengen von vermutlich aus Kalziumphosphat bestehenden Kristallen beobachtet bei klinisch unauffälligen Hunden, Hunden mit konstant alkalischem Urin, Hunden mit Kalziumphosphat-Harnsteinen und Hunden mit Harnsteinen, die aus Kalziumphosphat und Kalziumoxalat gemischt waren. Kleine Mengen von Kalziumphosphatkristallen können im Zusammenhang mit infektionsbedingter Kristallurie auftreten.

Abb. 18)
Mikrophotographische Aufnahme von amorphen Kalziumphosphat- und Magnesiumammoniumphosphat-Kristallen im Harn eines 2-jährigen kastrierten Kurzhaarkaters.

Abb. 19)
Mikrophotographische Aufnahme von amorphen Kalziumphosphat-Kristallen im Harn eines 3-jährigen männlichen Lhasa-Apso.
Der Hund hatte Kalziumoxalat-Blasensteine.

Abb. 20)
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Kalziumoxalatdihydrat-Kristalls und zahlreicher amorpher Kalziumphosphat-Kristalle im Harn des Hundes von Abb. 19.

Abb. 21)
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von amorphen Kalziumphosphat-Kristallen im Harnsediment eines 5-jährigen kastrierten männlichen Shi-Tzu.

Abb. 22)
Mikrophotographische Aufnahme von Kalziumhydrogen- phosphatdihydrat- (Bruschit-) Kristallen im Harnsediment eines 3-jährigen männlichen Zwergschnauzers mit Kalziumoxalat-Blasensteinen.

Abb. 23)
Mikrophotographische Aufnahme von großen Kalziumhydrogenphosphatdihydrat- (Bruschit-) Kristallen und charakteristischen Kalziumoxalatdihydrat-Kristallen im Harnsediment eines Pferdes.